Auf die Gefahr hin, dass es OT wird: Alle aktuellen Entscheidungen – egal ob Lizenz/Cloud/Produktportfolio – werden heute nur noch strategisch von DATEV getroffen. Man sieht hier die Handschrift des obersten Managements, das scheinbar jegliche Bedenken des mittleren und unteren Managements ignoriert und seine harte Linie durchzieht. Als absoluter Cloudgegner muss ich leider sagen, dass die Umstellung auf Cloud für die meisten Berater ohne ständige IT-Kompetenz im Haus tendenziell sinnvoll erscheint. Nur, sind wir ehrlich: Der Client-PC muss nach heutigem Stand weiterhin ordentlich und sicher konfiguriert und benutzt werden, d. h. eine höhere Sicherheit ist erst einmal nicht gegeben. Wir werden nur einen Komfort finden – zulasten der Autarkie. Die grundlegende Frage ist jedoch: Macht es Sinn, alles neu auf Cloud umzustellen, alle bisherigen Investitionen in Code praktisch zu entsorgen und „from Scratch“ neu zu entwickeln? Das kostet natürlich viel Geld – und diese Handschrift spürt man inzwischen überall: Produkte entfallen, Preise steigen extrem schnell und häufig … Hier wäre ein konservativer Vorstand wünschenswert, der sich nicht von modernen Technologien verleiten lässt, sondern auf Beständigkeit setzt. Und wenn man Cloud ausprobieren will, hätte man dies mit genau nur EINEM Produkt tun dürfen, z. B. Steuerprogramme ODER LODAS. Erst einmal eine kleine Version, sehr günstig, wenig Funktionen für die kleinen Mandate/Berater. Wenn die ein paar Jahre zufrieden sind, nach und nach mehr einbauen – parallel zu LODAS. So hätte man Kosten und Akzeptanz im Griff. Leider passiert hier genau das, was in Politik und bei Großkonzernen häufig passiert: Es wird von oben herab entschieden, man ist für etwas begeistert, will es auf Biegen und Brechen durchziehen und hat vielleicht sogar einige positive Umfragewerte gesammelt. Richtiger wäre, in die große Breite zu gehen, Umfragen bei den Genossen zu machen oder abzustimmen, ob diese Umstellung auf Cloud gewollt ist. Hier gehört eine Befragung mit Abstimmung durch jedes Mitglied her. (Auch wenn es heißt, der Clexit kommt 😉 Genauso sollte man auch mal fragen: Ist es gewünscht, dass sich die DATEV lobbymäßig stark macht, gegen den E-Rechnungszwang für kleine Unternehmen einzusetzen etc.? Diese Umfragen sollten natürlich noch auf dem Postweg versendet werden, damit man jeden erreicht. Fragebogen dann anbei, wenn bereits vorher nicht auf eine Umfrage-Mail reagiert wurde. Natürlich darf die Umfrage nur ein Mitglied mit Berufsträgerkarte bewerten – streng anonymisiert. Mich würde echt mal interessieren, wo sich die Genossenschaft bewegt. Denn egal ob es sinnvoll sein wird oder nicht: Die Genossen sollten diese Schritte entscheiden – auch wenn sie falsch sein werden. Da dies aber nicht passiert und Feedback hier verhallt, freuen wir uns schon auf den großen Knall, wenn spätestens Kanzlei-Rechnungswesen zwangsumgestellt wird und wir alle mit langsamer, unzuverlässiger Internetverbindung, instabilem Browser zügig massig Buchungen klassisch von Hand erfassen wollen und nichts mehr geht. Nur schade, dass wir es dann ausbaden dürfen. Alle Cloud-Anwendungen sollten immer lokal zwischengespeichert sein und 100 % offline für eine Zeit funktionieren. Das wird mit Sicherheit nicht so passieren … Deswegen werden wir sehr viel Unmut mit der Umstellung erhalten, Schulungskosten werden massiv durch die Umstellung steigen, Funktionen werden fehlen – aber das Schlimmste ist letztlich der Verlust der Unabhängigkeit vom Äther.
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