Hallo Herr Ockenfels, ich glaube, hier muss man zwischen gezieltem Angriff durch Spezialisten und Breitband-Schadsoftware unterscheiden. Eine typische Kanzlei ist für einen wirklich gezielten, dolosen Angriff meist zu klein: zu wenig Datenmasse, zu wenig Hebel, aus Tätersicht oft schlicht nicht attraktiv genug. Ein zentraler Datenpool im DATEV-RZ ist dagegen per Definition ein attraktiveres Ziel, weil dort viele Kanzleien, viele Datenarten und damit maximale Wirkung zusammenlaufen. Auch wenn DATEV sehr viel für Sicherheit, Redundanz und Recovery tut, bleibt das ein anderes Risikoprofil als „Daten liegen nur bei mir im Haus“. Dazu passt ein zweiter Punkt: Cloud ist ein Betriebsmodell, kein Qualitätsmerkmal. Cloud ist nicht immer und schon gar nicht per se zu priorisieren. Maßgeblich ist der Schutzbedarf der Daten und der Prozesse. Je nach Datenklasse kann eine On-Premises- oder hybride Lösung sachgerechter sein als „alles in die Cloud“. Zentralisierung bringt Profi-Betrieb, erhöht aber auch Attraktivität und Impact bei Störungen oder erfolgreichen Angriffen. Für manche Mandate zählt neben „Sicherheit“ auch Kontrollierbarkeit, Datenhoheit und Nachvollziehbarkeit. Und Stichwort Störungen/Verfügbarkeit: Selbst wenn keine „Hack-Geschichte“ passiert, ist der Effekt bei zentralen Diensten eben binär. Wenn das RZ oder ein zentraler Dienst hakt, stehen im Zweifel viele Kanzleien gleichzeitig. Dann ist die entscheidende Frage nicht nur „wie sicher“, sondern auch „was ist der Plan B“: Welche Workarounds gibt es, welche Prozesse laufen lokal weiter, wie schnell ist die Wiederanlaufzeit, und was bedeutet das konkret für Fristen, Lohnläufe, Abgaben. Gleichzeitig stimmt leider auch: Mit Alternativen sieht es praktisch düster aus. Wer im DATEV-Ökosystem bleiben will (Fachanwendungen, Schnittstellen, Prozesse), landet am Ende entweder bei DATEV-Cloud-Varianten oder bei Eigenbetrieb mit entsprechendem Aufwand für Hardware, Betrieb, Backup, Patching, Monitoring und Notfallkonzept. Das können und wollen die wenigsten Kanzleien in der nötigen Qualität dauerhaft stemmen. Unterm Strich: weniger „früher war alles besser“, mehr „professioneller Betrieb ja, aber andere Zielattraktivität und anderes Verfügbarkeitsprofil“ und deshalb am Ende eine Frage von Risikoabwägung und Vertrauen. Viele Grüße Henning Heitschmidt
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