Guten Morgen, Ihren Fall sehe ich tatsächlich eher als großen Gewinner der Cloud, denn aktuell ist es einfach so, dass die gesamte Architektur der DATEV hoffnungslos veraltet ist und große Datenbestände können hier zu massiven Engpässen führen. Sei es die immer noch bevorzugte 32Bit Architektur der Office Anwendungen die mit 4GB pro Excelsheet einfach extrem schnell an die Grenzen kommen, oder eben die veraltete Datenbankstruktur, die Architektur die nur mit Mhz und nicht mit Kernen skaliert. Ich bin kein großer Freund der Cloud, das dürfte hier bekannt sein. Aber ich sehe auch die Vorteile und die Notwendigkeit der DATEV in die Cloud zu gehen. Als DATEV Nutzer müssen wir eingestehen, dass wir teilweise echt gute Programme haben, aber wir müssen eben auch verstehen, dass diese technisch überaltet und daher kaum sinnvoll weiterentwickelt werden können und die Zukunft setzt eben Dinge voraus, die nur schlecht, oder eben gar nicht implementiert werden können; daher ist es Zeit eine neue Infrastruktur, eine neue Architektur auf die Beine zu stellen. Cloud ist dann letztlich folgerichtig und bietet auch immense Vorteile. Hier mal die umgekehrte Sichtweise zu Ziegeler Consult, denn auch diese kann man der Cloud durchaus zuschreiben: 1.) Latenzen sind keine große Problematik mehr, im Bereich 20ms sind selbst Consumerinternetleitungen vertreten. Im professionellen Bereich liegt die Latenz oft unter 5ms und ist damit mess aber nicht spürbar. 2.) Durch Zentralisierung der Daten eine gleichmäßig verteilte Last, Rechnung ist ganz simpel. Auf Ihrem Server arbeiten Sie mit 1Mio Buchungssätze und dafür ist die Hardware ausgelegt; sprich wirtschaftlich betrachtet kaufen Sie keinen Server für 2Mio Buchungssätze. Die Datev hat aber 50.000 Kanzleien an Bord, die Anzahl der Mandanten / Buchungssätze die aktiv in Bearbeitung sind, können viel besser abgeschätzt werden und mitteln sich. Dadurch ist stets eine gleichbleibende Anzahl an Buchungssätzen online und schwankt nur gering, selbst Mandanten mit 5Mio Buchungssätzen gehen in der Masse der Fälle unter und werden die Performance nur minimal beeinflussen. 3.) Skalierung ist auch heute schon ein Problem, das Problem bleibt es wandert nur. 4.) Gerade der Punkt "Altdaten" ist ein großer Pluspunkt der Cloud, die verschiedenen Instanzen der Verfügbarkeit von Daten und damit einhergehend der preislichen Attrakivität ist enorm wichtig und spielt bei den steigenden Datenmengen eine immer größere Rolle. Thema Speicherklassen. 5.) Wie gesagt, auch hier ein Problem was es heute schon gibt. Durch die schlechte Architektur der Programme bringen Hochleistungsserver CPUs heute kaum Mehrwert. Wir haben selbst Benchmarks gefahren und 32 Kerne mit viel Takt waren 128 Kernen mit weniger Takt deutlich überlegen. Wenn man sich mit dem Thema Hardware & DATEV mal ernsthaft beschäftigt, wird man sehr schnell zum Schluss kommen, dass es keinen 100k Server (Terminalserver sind damit nicht gemeint, da gehen eben auch 128 Kerne gut, wenn genug Nutzer da sind) braucht, weil dieser einfach nicht performanter läuft als der für 20k. Man kann viel optimieren, Netzwerkinfrastruktur, NVMEs, usw. aber durch die altbackene und eben nicht auf Parallelem Workload optimierte Architektur, wird man schnell an die Grenzen stoßen. Man gibt definitiv Kontrolle ab, aber eben auch Verantwortung. Wenn ich heuer sehe wieviel Zeit für Wartung & Pflege der Hard/Software drauf geht, welche Kosten entstehen dann kann ich mir die Cloud als gute Lösung vorstellen. Sorgen sind aber berechtigt, das würde ich nicht abstreiten. Ich schaue auch aktuell immer links und rechts vom Tellerrand, Pennylane, Tabula, Dynamics und Co. sind für mich nicht zu vernachlässigen. Denn alles was die DATEV bisher in die Cloud gebracht hat, war Müll und musste in einem langen Prozess reifen. Personaldaten ist mittlerweile einigermaßen brauchbar, Auftragswesen next eher gar nicht und DUO ist zumindest weitestgehend nutzbar, leidet aber in meinen Augen auch schon stark unter dem Entwicklungsprinzip Minimum Viable Product, denn es soll mittlerweile Dinge unterstützen, die nie vorgesehen waren und am Ende dran gebaut wurden. In meinen Augen ist DATEV daher aktuell nur noch ein Kompromiss und für viele Mandanten nicht das Optimum, bzw. sinnloser Zusatzballast. Unternehmen online ist quasi nur sinnvoll nutzbar als Belegtransfer oder eben wenn man brav nach DATEV Prozess arbeitet, in der Realität sehe ich aber bei 99 von 100 neuen Mandanten das diese anders arbeiten. Das fängt ja schon bei Fintech Geschichten an. Daher kann ich dem Argument von Ziegler durchaus etwas abgewinnnen, die DATEV Cloud wird nicht für Ihren Anwendungsfall entwickelt werden und es wird vermutlich kein idealer Anwendungsfall sein. Aber, so ehrlich sollte man eben auch sein, dass ist es aktuell auch nicht und 20 Sekunden bis zu einem Kontoblatt sind defintiv Dinge die eigentlich nicht gehen und das arbeiten schon massiv behindern. Wir haben hier Fälle mit 200.000 Buchungen pro Monat, das wars dann aber auch und dort ist es schon so, dass man Hänger erlebt, diese drei, vier Sekunden sind schon nervig, liegen aber nicht an der Hardware, sondern der Softwarearchitektur. Dies kann man simpel tracken und wenn die Last überall unter 10% liegt, ist eben der Unterbau eher nicht verantwortlich; wobei hier 2 Ghz mehr sicherlich Spaß machen würden, aber 4,8Ghz Boost ist im Serverbereich aktuell nunmal das höchste der Gefühle.
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