@c_kleineboymann, @RAHagena Ich glaube, hier liegt ein grundlegender Denkfehler vor, der die Diskussion unnötig vernebelt: Es werden permanent unvergleichbare Dinge miteinander verglichen. Die Beispiele Amazon, Netflix, Uber etc. sind technologisch interessant, haben aber mit DATEV-Anwendungen praktisch nichts zu tun. Dort werden Systeme betrieben, die sich kurzzeitig widersprüchliche Datenstände leisten können, solange sich das später wieder ausgleicht. Das ist eine völlig andere Problemklasse. Das ist bei DATEV-Anwendungen ausgeschlossen. Eine Kanzlei kann sich keine auch nur vorübergehend widersprüchlichen Datenbestände leisten. Lohn, Buchführung, Steuerberechnung müssen zu jedem Zeitpunkt eindeutig, konsistent und nachvollziehbar sein. DATEV-Anwendungen sind fachlich deterministische Systeme: Buchführung, Lohn, Steuer, Fristen, Nachweise. Hier muss alles und immer konsistent sein. „Ein paar Millisekunden falscher Warenkorb“ ist dort kein Drama. Eine falsche Lohnabrechnung oder inkonsistente Buchung bei uns schon. Genauso wird „SQL vs. NoSQL“ durcheinandergeworfen. Es geht bei DATEV nicht um die Frage, ob SQL genutzt wird – das wird es, nehme ich an, auch in der Cloud weiterhin –, sondern um Betriebsmodell, Release-Logik, Abhängigkeiten und Verantwortung. Das sind voneinander unabhängige Fragestellungen, werden hier aber ständig vermischt. Und noch ein Punkt zur SQL-Server-Argumentation: Das Auslaufen einer bestimmten SQL-Server-Version (oder deren Support) ist ein Lifecycle-Thema, aber kein naturgesetzlicher Beweis dafür, dass man deshalb zwingend in die Cloud muss. On-Premise endet nicht, weil SQL endet, sondern wenn DATEV entscheidet, dass sie On-Premise nicht mehr betreiben oder unterstützen will. Das ist eine Strategieentscheidung. Die kann man so treffen und dem Nutzer bleibt dann realsitisch nichts mehr, als mit den Schultern zu zucken. Und schließlich: Cloud ist nicht gleich Cloud. „Software-as-a-Service für Konsumentenplattformen“ ist etwas anderes als zentralisierte Fachverfahren mit rechtlicher Haftung. Wer diese Unterschiede ignoriert, kommt zwangsläufig zu falschen Schlussfolgerungen. Wenn wir sinnvoll diskutieren wollen, müssen wir diese Ebenen trennen. Sonst vergleichen wir weiter Äpfel mit Birnen, stellen fest, dass beides Obst ist – und wundern uns, warum der Geschmack nicht passt.
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