Neuanlage eines von drei neuen Lohnmandaten in LODAS. (Der externe Lohnabrechner hat sich mittlerweile ausqualifiziert, der Lohn läuft wieder über uns.) Plopp, der erste Wahnsinn geht da schon los: Berlin hat als einziges Bundesland (!) noch die Unterscheidung in Rechtskreis West und Rechtskreis Ost. was ich bislang auch nicht auf dem Schirm hatte. Ok, Google Maps starten, hoffentlich liegt der Betrieb irgendwo ganz weit westlich oder östlich, zumindest so, dass es eigentlich keine Unsicherheiten geben kann. Und was zeigen mir die Karten? Mittendrin liegt die Adresse natürlich. Ehe jetzt noch Google Earth mit den 1990er Karten und eingezeichneter Mauer gestartet wird, nimmt man sich halt eine Krankenkasse einer Beschäftigten und fragt nach. AOK NordWest. Ein Fehler. *Telefon der Firmen-Hotline klingelt. Und klingelt. Und klingelt ...* "Guten Tag, Name, AOK NordWest." "Ja guten Tag, Name, ich richte gerade Stammdaten für einen Betrieb ein und da kommt doch tatsächlich noch die Nachfrage wegen des Rechtskreises." *Genuschel, irgendetwas wie "&%$((/ ... kann ... sein ... ()§%(/* "Ja, ist wohl so." "Wenn ich Ihnen jetzt die Anschrift gebe, können Sie doch sicherlich erkennen, welcher Rechtskreis das ist. Ich kann's ja nicht entscheiden." "Das kann ich Ihnen aber nicht sagen." "Wieso denn nicht? Hier handelt es sich doch nicht um personenbezogene Daten. Auch nicht um eine Auskunft, der die DSGVO entgegenste ..." "Da müssen Sie sich an die AOK Nordost wenden." *Puls leicht erhöht* "Warum denn das nun? Ich habe hier eine bei Ihnen und nicht bei der AOK Nordost Versicherte, deswegen wende ich mich an Sie als Einzugsstelle, die mir solche Auskünfte ..." "Geben Sie mir die Betriebsnummer." "XXXXXXXXXXX" "Die ist falsch." "Nein, kann nicht sein, ich habe gerade die PDF der Betriebsnummernanmeldung auf dem Bildschirm ... ich lese nochmal vor ... XXXXXXXXXXX." "Sehen Sie, die habe ich nicht." *Blutdruckarmband fängt leicht an zu vibrieren* "Das kann gut sein, da die Betriebsnummer gestern beantragt wurde. Sie ist dann halt noch nicht in der Arbeitgeber-Datenbank. Aber noch einmal: Wenn ich Ihnen die Adresse sage, müssen Sie doch eine Auskunft erteilen können, welcher Rechtskreis nun vorliegt .... Straße ... Nr ... PLZ ... Berlin." *Pause* "Naja, das ist jetzt ..." *Die ersten Zehennägel rollen sich* "Google Maps zeigt mir einen leichten Ostdrall, es wird sogar der Stadtteil angezeigt. Aber letztendlich brauche ich eine Bestätigung. Ich kann schließlich nicht wissen, ob die Rechtskreise die alten Grenze von 1989 abbilden oder ob es da vielleicht doch noch Änderungen gab." "Also wie ich es sehe ... die Adresse liegt ja schon mehr im ehemaligen Osten. Dann ist es wohl der Rechtskreis Ost." "Letztes Wort?" *Gegrummelte Geräusche* "Ich denke ... äh ... ja, das wird wohl RK Ost sein." "Ok, dann nehme ich das jetzt hin. Vielen Dank und einen schönen Tag noch." "Jaja ... bitte ... äh, danke ... Ihnen auch." *Hörer mit leicht hysterischem Lachen aufgelegt* Ob ich jetzt die Hotline-Helga aus ihrem Nachmittagsschlaf gerissen habe, kann ich nur vermuten. Aber dieses Erst einmal alles abbügeln (Datenschutz, fehlende Vollmacht, was weiß ich) wird aus eigener Erfahrung seit Jahren immer schlimmer. Bleibt man hartnäckig und geht denen so richtig auf den Zeiger, führt das in einigen Fällen dann doch zu einem Ergebnis, wobei einem dabei klar sein muss, dass sich dieses durchaus einer qualitativen Bewertung entziehen kann. Kassen bei den Kassen leer! Ich kann's nicht mehr hören. Dort werden mal einfach 100e Millionen als Spielgeld verzockt, da verweigern sich Mitarbeiter einfachsten Auskünften. Das eAU-Verfahren ist eindeutig auf die Krankenkassen zugeschnitten, man tauscht sich mit der Rentenversicherung eigentlich und gezwungenermaßen nur im Rahmen von Betriebsprüfungen aus und möchte andererseits nicht von den Zuckerkügelchen lassen. tl:dr Dieses Gesundheitssystem ist selbst der größte Patient. *Ein Uhu trinkt die Waldmeister-Limo aus und fällt vom Baum.
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