@Koppelfeld schrieb: Nun, ich wollte begründen, weshalb die Microsoft - Betriebssysteme altmodische, vielfach erweiterte, schwierig zu wartende Konglomerate sind. Das sind die "jetzigen Tatsachen". Die Schweizer, zumindest die Armee, trennt sich daher von Microsoft. Ja, Ihre Bestandsaufnahme bei der MS-Software mag ja von einem gewissen point-of-view zutreffen, hat ändert aber nichts an bereits genannten Tatsachen. Und die Schweizer Armee kann man schlecht mit DATEV vergleichen. Dort ist es Institution, die für sich den Exit beschließt und die "Arbeitnehmer" müssen aufgrund der Abhängigkeitstellung mitmachen. DATEV ist aber (immer noch) eine Genossenschaft. Ich persönlich würde auf die Barrikaden gehen, wenn DATEV mit der Schweizer Methode in den Betriebsablauf eingreifen würde. DAS war die Fehlentscheidung ! Warum ein einigermaßen komplexes System zehntausende Male implementieren, wenn man es doch nur ein einziges Mal im Rechenzentrum braucht ? Man hätte ja PCs verwenden und darauf dann ein DATEV - Terminalprogramm installieren können. Interaktiv, wie es beispielsweise beim Bilanzdialog praktiziert wurde oder bei der Steuerrechtsdatenbank. Sie hängen wirklich noch an den alten Terminalanwendungen. Wie ich schon schrieb, war die Zeit damals eine andere. Das Rechenzentrum wäre einem Massenzugriff wahrscheinlich nicht gewachsen gewesen und eine lange Zeit wären die damaligen Kosten auch wirklich Kosten gewesen. Ich kann mich auch nicht daran erinnern, dass Mitbewerber damals für ihre Produkte auf Terminalanwendungen gesetzt hätten. Und auch wenn das wirklich eine Fehlentscheidung gewesen sein sollte, ist es doch müßig, sich in die Vergangenheit einzugraben. Nein, eben nicht. Die Spezifikation des DATEV - Terminalprogramms hätte gereicht, dann hätten viele Firmen Lösungen anbieten können. Fahrradkette. Die Ausweitung auf die "Office-Suite" war ja noch schlimmer, ibs. in Bezug auf "Outlook". Auch hier muss man die Marktdurchdringung einbeziehen. Lotus 1-2-3 oder auch StarOffice (Vorgänger von OpenOffice) hatten ihren Charme und machten vieles besser als die ersten MS-Office-Versionen. Aber sie waren oder wurden halt eben nischig. Ich mag Outlook auch nicht besonders, allerdings für jede Anforderung eine anderes Programm einzusetzen, kann auch in der Hölle enden. Fragen Sie mal die IT-Admins. Früher hatte der Berater die Wahl, Kienzle, Olivetti, Triumph-Adler ... Und die Angelegenheit war "sozial": Jeder Berater konnte mit jedem Herstellergerät alles nutzen. Schreibt Ihnen DATEV vor, heutzutage nur Hardware von Lenovo oder Dell zu nutzen? Ich habe sogar noch eine Rechenmaschine von TA bei mir auf dem Schreibtisch stehen und im HomeOffice auch eine 25 Jahre alte von Casio. Auch wenn ich den Transformations-Prozess bezüglich der Cloud-Strategie kritisch begleite, so ist das angedachte Ziel dabei gerade eben auch die soziale Komponente: Sofern auf dem Endgerät ein halbwegs moderner Browser läuft, kann auf die Anwendungen zugegriffen werden. Gerade Letzteres mündet in einer Katastrophe: Wie oft sehe ich noch heute, daß Seitenumbrüche mit Leerzeilen veranlaßt werden. Denn einer lernt den anderen an. Ja, das mag den kleinen Schriftsetzer in Ihnen stören, aber das ist doch auch nur ein Problem wie das der einen Tapetenbahn, die nicht zu 100%ig genau auf Stoß geklebt ist. Keinem fällt es auf, außer dem, der sie selbst angebracht hat. Einigermaßen intelligente Menschen nutzen eh' TeX. Das ist ein ziemlich hohes Roß, von dem Sie hier auf die Masse der Nutzer herunterschauen. Sie werfen mir also indirekt vor, nicht halbwegs intelligent zu sein, nur weil ich einen Geschäftsbrief nicht in LaTeX setze, sondern mich eines Office-Programms bediene? Tex/LaTeX mag im akademischen Umfeld für die eigene Diplom- oder Doktorarbeit eine sehr gute Wahl sein, aber doch nicht im normalen Büroalltag. (vi ist auch ein mächtiger UNIX-Texteditor, auf den Befehlszeilen-Junkies schwören, aber für kurze Notizen nimmt die Masse dann doch einen einfacher zu bedienenden Texteditor.) Wir haben nie einen "PC" gebraucht, sondern einen "CC", einen "Company Computer". Meine Spielkameraden als Kind hatten so bunte Spielzeugwerkzeuge, das hat mein Vater nie zugelassen. Ich bekam gebrauchte Engländer und Schraubenschlüssel von meinem Onkel, der eine mechanische Werkstatt hatte. Zuhause spielen -- in der Firma arbeiten ! Was für einen spätpubertierenden Jüngling toll ist, kann für einen Profi nix taugen. Wie schon zuvor geschrieben ... ziemlich hohes Roß. Die Anwendungen waren aber teilweise schneller als heute. Und DATEV war so klug, ihre eigenen "Konzentratoren" bereitzustellen. Wir verbanden uns mit Nürnberg zum Ortstarif über den DATEV-Konzentrator Dortmund. Damals waren die Datenmengen auch andere. Und warum hat DATEV wohl keine Konzentratoren mehr? Weil der Unterhalt solcher halt eben auch Geld gekostet hat und sich eine solche Technik überholt hat. Dann hat der Nutzer eben Pech gehabt. Ich erinnere mich an mein Jahr als Knecht auf dem Bauernhof: Wenn wir im Winter die Kühe in die Ställe trieben und sie nur Heu statt Gras zu fressen bekamen, blökten sie furchtbar. Nach einer Woche war das aber ausgestanden. Ich sage immer, "Mein Server läuft auch ohne User". Da haben wohl eher Sie Pech gehabt, denn bis auf Sie meckert hier keiner so stark mit der Vergangenheitskeule in der Hand herum. Und was jetzt ein einsam in der Gegend herumstehender Server ohne Nutzer soll, erschließt sich mir wirklich nicht. Wenn der User wieder eine Arbeitsstation hat statt einen PC, dann wird auch wieder gearbeitet statt "getiktokt". "TikTok". Wie sich das schon anhört. Sie unterstellen somit, mal wieder, den Nutzern grundsätzlich etwas und bedienen sich eines Duktus', bei welchem ich irgendwie an die Amish People denken muss. Ich glaube, dass ich in einem persönlichen Gespräch mit Ihnen sehr viel Interessantes erfahren würde. Angst hätte ich allerdings, dass ich mich an der Dampfmaschine in der Ecke Ihres Büros verbrühen könnte.
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