@kaba schrieb: Aber das ist mir viel zu aufwändig. Ich lass das so und vielleicht freuen sich die Prüfer von der RV, wenn sie was finden. Das müssen Sie für sich entscheiden. In Ihrem Fall handelt es sich nicht um eine widerstreitende Rechtsaufassung, welche erst im Rahmen einer Prüfung auftaucht, sondern um seit Jahren geltende Vorschriften, die auch in der Fachliteratur ausdiskutiert sind. Entgeltabrechnungen sind immer aufwändig und die damit direkt Beschäftigten werden nie gefragt, Es mag an der fehlenden Lobby liegen, am Verzicht auf Fachpolitiker oder zumindest auf die Expertise von Fachleuten. Nichtsdestotrotz sind Sie als lohnabrechnende Stelle für die korrekte Umsetzung des gesetzlichen Vorgaben verantwortlich. Ihr Fall ist bereits sehr gut in verschiedenen DATEV-Dokumenten dargestellt und auch nicht so selten. Ich persönlich würde mir das Wissen draufschaffen und die Abrechnung korrekt erledigen. Sie können später ähnliche Konstellationen besser einschätzen und abrechnen. Nehmen Sie mir meinen ausführlicheren Kommentar bitte nicht übel, aber ich bemerke in den letzten Jahren zunehmen zwei Entwicklungen, die mir reichlich Kopfschmerzen bereiten: Zum einen ist es die wachsende Resignation im Bereich der Lohnabrechnung. Durch die hohe Schlagzahl bei gesetzlichen Änderungen, die durch eine liederliche Gesetzgebung begleitet werden, hat man immer öfter das Gefühl, überfordert zu sein. Dazu kommt auch noch Leistungsdruck, weil Lohnabrechnungen nicht so abgerechnet werden, wie sie es sollten und dadurch natürlich kein vernünftiger Deckungsbeitrag erwirtschaftet wird. Die Vervielfachung von Dokumentationspflichten und teilweise immer noch nicht ausgereiften/funktionierenden elektronischen Meldeverfahren, das Führen der Digitalen Personalakte, der erhöhte Beratungsbedarf bspw. im Bereich betriebliche Altervorsorge, Nettolohnoptimierung oder wie auch gerade jetzt mit der Aktivrente werden mit den üblichen Pauschalsätzen pro Arbeitnehmer nicht (mehr) abgedeckt. Und dann kommen Mitbewerber wie Roten aus Freiburg mit irgendwelchen Preis-Vergleichen um die Ecke, die vollkommen unrealistisch sind. Dort wie auch bei anderen Unternehmen wird Lohnabrechnung gern als "1-Klick-Lösung" präsentiert, die der nicht durch Vorwissen belastete Unternehmer im Home-Office mal eben so zwischen Kinder-ins-Bett-bringen und TK-Pizza-in-den-Ofen-schieben erledigen kann. Das Ergebnis haben wir gerade durch eine Mandatsübernahme auf dem Tisch. Man war in dem Betrieb der Meinung, auf eine Fachkraft verzichten zu können. Wir werden wahrscheinlich 4 Stunden brauchen, um den ganzen Sauhaufen von 2025/26 auf Vordermann zu bringen. Die seit einiger Zeit bevorzugte Variante in unserem Büro, Lohnabrechnungen an einen externen Entgeltabrechner auszulagern, hat gerade bei denen, die keine/sehr wenige Kenntnisse in der Lohnabrechnung haben, mittlerweile für Ernüchterung gesorgt. Mir war beim Blick auf die erste Preisliste von Anfang klar, dass das nur Kampfpreise sein können. Die rudimentäre Abfrage von Daten bei einem Systemwechsel hat mir bereits beim ersten Mal Bauchschmerzen verursacht. Mittlerweile gibt es mehrere Problemfelder: fehlende SEPA-Mandate bereits erteilte SEPA-Mandate gegenüber dem FA werden nicht berücksichtigt und der Mandant zahlt einmal per DTA-Datei und einmal per Lastschrift die Lohnsteuer (Barmittelabfluss, Steuerkonto wegen Umbuchungen mittlerweile zweieinhalb Seiten lang) permanente Korrekturen, wobei Beitragsnachweise nachträglich storniert und neu übermittelt werden fehlerhafte Buchungslisten (Kontenverknüpfung; Krankenkassen, Winterbauumlage, Erstattungen AAG - alles über das Konto 1742) fehlende Vortragswerte aus dem Vorjahr und einiges andere Dadurch stellen sich die Lohnverrechnungskonten für manche als viel zu schwierig für Abstimmungen dar, so dass man es dann gleich lässt, weil Steuertermin, keine Lust, Zeitaufwand zu hoch usw. usf. Zum anderen wird in der Berufsausbildung kaum Wert auf die Vermittlung eines belastbaren Grundwissens in dem Abrechnungsbereich gelegt. Den Ausbildungsbetrieben wird die Verantwortung zur Wissensvermittlung zugeschoben, denen viele Betriebe aus Kosten- und/oder Zeitgründen nicht nachkommen. Und die neue Generation fällt öfters leider eher mit Selbstoptimierung und -überschätzung auf als mit erkennbarem Willen zum Selbstlernen und dem Umsetzen eines Berufsethos', bei dem auch eine 1-Cent-Differenz eine Differenz ist. Je mehr dann von erfahrenen Kollegen eine gewisse Lässigkeit vorgelebt wird, um so mehr wächst die Bereitschaft, es in immer mehr Bereichen einfach mal laufen zu lassen. Mit dem Abgang vieler Fachkräfte aus Altersgründen geht dann noch die restliche Expertise verloren.
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