Nein – gendern behandelt nicht nur ein Symptom – , sondern einen Teil des Problems. Denn für eine respektlose, abwertende oder diskriminierende Behandlung von wem auch immer, steht immer auch das zuvor, auch über Sprache, geschaffene und vermittelte Bild. Das Symptom ist doch die über Generationen praktizierte Wirklichkeit, welche auch durch Sprache an Kinder und Enkel*innen weitergegeben wird. Sprache ist sicher nicht die einzige Ursache, aber doch ein wichtiger Bestandteil dessen, wie wir etwas betrachten und letztendlich behandeln, gerade weil wir es seit dem ersten Tag unseres Lebens so hören, spüren und als Selbstverständlichkeit wahrnehmen. Und ein Teil des Problems ist auch, Bestrebungen für Veränderungen mit Witzchen oder Verunglimpfungen zu begegnen. Da müssen unsere Ahn*innen auch nicht um den respektvollen Umgang mit Ihrem Erbe bangen, oder dass wir Sie für dumm verkaufen, wenn wir versuchen etwas zu ändern, was sie selbst schon mit einem fraglichen Kontext seit Kindestagen vermittelt bekommen haben. (Stichwort: Neger oder Mohr) Und Sprache als Teil der Kultur ist, wie jegliche Art von Kultur, einem stetigen Wandel unterzogen und kein für Jahrhunderte in Stein eingemeißeltes Regelwerk. Änderungen werden doch immer, trotz anfänglicher Gewöhnungsbedürftigkeit, am Ende ganz gewöhnlich und alltäglich. Es muss nicht auf die Spitze getrieben werden, aber es wäre ein Leichtes, Texte entsprechend geschlechtsneutral zu verfassen, auch ohne den Lesefluss entscheidend zu beeinträchtigen. Und was spricht denn gegen eine Veränderung, die einer sprachlichen Ausgrenzung oder Diskriminierung von Menschen entgegenwirkt, und für mich, bzw. einen selbst, nur eine kleine Umstellung der alten eingeschliffenen Gewohnheiten bedeutet. Ich wünsche allen schöne Feiertage und einen gesunden Start in das neue Jahr.
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