Ich finde es immer wieder spannend, wie - ihrer Grundidee nach sinnvolle Lösungen - so verdreht werden, dass ihre ursprünglichen Ziele unterlaufen werden; aber nicht nur das: Erfolgt dann - irgendwann - eine Korrektur, jammern alle bisherigen Profiteure, dass die Abschaffung katastrophale Folgen haben werden. Die Leiharbeit wurde für Lohndumping missbraucht, bis der Gesetzgeber nach vielen Jahren dem ursprünglichen Gedanken besser Geltung verschafft hat. Gleiches beobachte ich bei der Diskussion um die - angedachte - Abschaffung der Mini-Jobs. Auch hier wird - bitte nicht persönlich nehmen @deusex - bereits jetzt ein vermeintlicher Weltuntergang für bestimmte Branchen prognostiziert, die überproportional von der Beitrags und Abgabensubvention profitiert haben. Eine Branche, die sich bereits nicht in er Lage sieht die über die Senkung des USt.-Satzes angedachte Entlastung der Restaurantbesucher an diese weiterzugeben. Dessen ungeachtet würde noch gerne einen weiteren Aspekt in die Diskussion werfen, der mir bei den Mini-Jobbern gerne zu kurz kommt: die Folgen für die Zeit nach der Erwerbstätigkeit. Während des Erwerbslebens ist ein "Mini-Job" eine hervorragende Aufbesserung des monatlich für Konsum bereitstehenden Einkommens - oder ermöglicht sogar bestimmte Ausgaben. Mit Austritt aus dem Erwerbsleben - Rente - fällt dieses Zusatzeinkommen weg und die Rente wird aus dem geringeren Haupteinkommen berechnet. Systemisch richtig, denn nur auf diesen Teil wurden Beiträge geleistet. Die meisten, die ich kenne, stellen plötzlich fest, dass nicht nur die Haupteinkommensquelle geringer wird, sondern auch dass entweder das Zusatzeinkommen auch noch weg fällt, oder dass diese Nebentätigkeit , allein aus wirtschaftlicher Notwendigkeit aufrecht erhalten werden muss um den bisherigen Standard einigermaßen beibehalten zu können. Das bestimmte Branchen, wie die Gastronomie von dieser Art der Steuer- und und Abgabensubvention profitiert, mag faktisch so sein; aber auch nur, weil im Bereich der Mini-Jobber kaum Vollzeitlöhne bezahlt werden und die Mitarbeitenden die weitere Einkommensquelle "Trinkgeld" im Blick haben. Ein guter Freund hat im Hinblick auf den Mini-Job vor nunmehr 20 Jahren bei seinem Hauptarbeitgeber die Arbeitszeit reduziert und bei einem anderen Arbeitgeber einen Mini-Job angenommen. Nach seiner "Berechnung" hatte er bei Addition beider Einkommen mehr Netto als bei Vollzeittätigkeit. Mein Hinweis, dass sich dies auch auf seine Rente auswirken würde, hat er stets übergangen; bzw. darauf hingewiesen, dass dann ja bestimmte Ausgaben entfallen würden und er noch Rücklagen bilden könne. Zwischenzeitlich steht er kurz vor dem Übergang in die Rente und jammert: diese und jene Ausgabe kann ich mir nicht mehr leisten. Dieser Aspekt ist den Beteiligten, die sich auf diese Beschäftigungsmodelle einlassen, selten bewusst. Daher finde ich es unter dem Gesichtspunkt der Absicherung des Nacherwerbslebens (Rente) sinnvoll, diese Art der Subvention abzuschaffen.
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