Ja, die Sorge ist technisch absolut nachvollziehbar. Der kritische Punkt ist nicht nur „Cloud oder lokal“, sondern die Kombination aus: Datenmenge + Latenz + Abhängigkeit von zentraler Plattform + Bedienlogik der Anwendung. Bei 600.000 bis 1,2 Mio. Buchungssätzen pro Jahr und Mandant sprechen wir nicht mehr über „normale“ Kanzlei-Rewe-Bestände. Wenn dann bei einer Kanzlei in einem Jahr 65 Mio. Buchungszeilen entstehen, ist das faktisch Massendatenverarbeitung – auch wenn sie heute noch im Kanzlei-Rechnungswesen-Alltag versteckt mitläuft. On premise hat dabei einen großen Vorteil: Die Daten liegen nah an Anwendung, Datenbank und Netzwerk. Selbst wenn ein Konto groß ist, läuft vieles über lokale Infrastruktur mit sehr geringer Latenz. In einer Cloud-Architektur kommt neben der reinen Serverleistung immer noch hinzu: jede Abfrage muss über Netzwerkstrecken laufen, Antwortzeiten hängen von Plattform, Internet, Session-Technik und Mandantentrennung ab, große Konten, OPOS-Listen, Auswertungen, Suche, Filter und Jahreswechsel erzeugen potenziell sehr viele Datenbankoperationen, zentrale Systeme müssen nicht nur einen solchen Bestand bedienen, sondern viele Kanzleien gleichzeitig. Meine Sorge wäre daher weniger: „Kann DATEV theoretisch 65 Mio. Buchungssätze speichern?“ Das wird vermutlich gehen. Die eigentliche Frage ist: Kann man mit solchen Beständen interaktiv noch so arbeiten wie heute? Also Konto öffnen, filtern, suchen, buchen, Gegenkonto ansehen, OPOS prüfen, Auswertungen erzeugen – ohne dass jede Aktion spürbar zäher wird. Genau da ist Cloud nicht automatisch ein Vorteil. Bei Massendaten kann Cloud sogar schlechter wirken, wenn die Anwendung stark interaktiv ist und nicht konsequent für solche Datenmengen neu gedacht wurde. Besonders kritisch sehe ich: 1. Latenz statt reiner Rechenleistung Ein lokaler Server kann alt und unspektakulär sein, aber die Wege sind kurz. In der Cloud kann ein einzelner Datenbankzugriff schnell sein, aber viele kleine Zugriffe hintereinander fühlen sich langsam an. 2. Zentralisierte Engpässe Heute betrifft ein großer Bestand primär die eigene Infrastruktur. In der Cloud teilt man sich Plattform, Ressourcen, Wartungsfenster und Störungen mit sehr vielen anderen Nutzern. 3. Unklare Skalierungsgrenzen Wenn DATEV keine belastbaren Aussagen macht, welche Buchungssatzmengen pro Mandant/Jahr performant unterstützt werden, bleibt das Risiko beim Anwender. 4. Migration und Historie Bei solchen Datenmengen ist nicht nur das Tagesgeschäft relevant. Auch Altdaten, Prüfungen, GDPdU/DSFinV-K, Auswertungen und Jahresvergleiche müssen dauerhaft erreichbar bleiben. 5. Verlust von Steuerungsmöglichkeiten On premise kann man im Zweifel Server, RAM, Storage, SQL-Performance, Netzwerk oder Archivierungsstrategie beeinflussen. In einer geschlossenen Cloud ist man auf die Plattformlogik des Anbieters angewiesen. Ich würde es daher nicht als „Woschd“ betrachten. Für normale Buchhaltungen mag Cloud organisatorisch funktionieren. Für solche Extrembestände braucht es aus meiner Sicht belastbare technische Zusagen: Performancegrenzen, Benchmarks, Migrationskonzept, Archivierungslogik, Antwortzeiten und ein klares Betriebsmodell für Massendaten. Mein Bauchgefühl wäre: Die Sorge ist berechtigt. Nicht wegen Cloud an sich, sondern weil diese Datenmengen weit außerhalb des typischen Kanzlei-Rewe-Alltags liegen und interaktive Buchhaltungsarbeit in der Cloud nur dann gut funktioniert, wenn die Anwendung dafür wirklich konsequent gebaut und getestet wurde.
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