Cloud-Zwang vs. Kanzlei ReWe: Warum Excel für EÜR und V+V in der Praxis unersetzbar ist Hallo in die Runde, vielen Dank für das bisherige Feedback. Ich möchte das Problem aber noch einmal konkretisieren, da oft das Scheinargument kommt: „Dafür gibt es doch Kanzlei ReWe oder die kommenden Cloud-Erfassungsmasken.“ Aus der Praxis heraus muss ich ganz klar sagen: Für bestimmte Fallkonstellationen ist Kanzlei ReWe viel zu schwerfällig, starr und schlicht unwirtschaftlich. Wenn die Cloud-Transformation bedeutet, dass funktionierende Schnittstellen zu Excel gekappt werden, mutiert die Digitalisierung zum Effizienzkiller. Hier sind drei konkrete Praxisbeispiele, warum eine starre Erfassungsmaske oder Kanzlei ReWe das Excel-System niemals gleichwertig ersetzen kann: 1. Die "15-Positionen-EÜR" (Simplex-Fälle wirtschaftlich bearbeiten) Es lohnt sich schlichtweg nicht, für ein kleines Nebenberufs-Mandat (z. B. Dozent, Arzt mit ein paar Vorträgen) einen kompletten Buchungskreis in Kanzlei ReWe einzurichten und zu pflegen. Mein Workflow in Excel: Ich tippe z. B. einmalig 660 € Telefonkosten ein. Die Tabelle rechnet im Hintergrund automatisch den privaten Nutzungsanteil aus (z. B. 30%), steuert diesen Wert sofort deckungsgleich hoch zu den Betriebseinnahmen und verlinkt das Ergebnis fehlerfrei in das korrekte Feld der EÜR. Ebenso verhält es sich mit Einnahmen aus Vorträgen: Diese werden direkt in Excel gesplittet – in Anteile, die unter die Übungsleiterpauschale (§ 3 Nr. 26 EStG) fallen, und solche, bei denen das nicht der FAll ist. Das Problem: In einer reinen Cloud-Eingabemaske tippe ich mich für diese Logik dumm und dämlich. Was in Excel Sekunden dauert, frisst dort wertvolle, nicht abrechenbare Zeit. 2. Der unschätzbare Wert des "rechten Tabellenrands" (Dokumentation) Excel bietet mir im nicht druckbaren Bereich (rechts neben den eigentlichen Formulardaten) die Möglichkeit, wichtige Hinweise, Berechnungen und historische Infos für mich oder für das Folgejahr zu erfassen. Altes Beispiel aus meiner Praxis: Die taggenaue Berechnung des Homeoffice-Mittelpunkts oder der Corona-Lockdown-Monate zur Umgehung der Abzugsbegrenzung beim Arbeitszimmer. Das lässt sich auf der Tonspur oder in starren Notizfeldern einer Cloud-Software überhaupt nicht übersichtlich dokumentieren. In Excel habe ich die Berechnung und den Jahresvergleich sofort im Blick. 3. Hochkomplexe Vermietungsfälle (V+V) und gemischt genutzte Immobilien Hier bricht das System ohne Excel völlig zusammen. Wer schon einmal eine fundierte Kaufpreisaufteilung für das Finanzamt gemacht hat, weiß, wie viele Variablen hier einfließen. Grundstücks- und Gebäudeaufteilung: In meiner Excel-Vorlage ermittle ich die Bodenanteile gem. BMF-Arbeitshilfe, prüfe die Nichtbeanstandungsgrenze (z. B. Kürzung um 1/10 oder 1/5) und gleiche das mit dem Notarvertrag ab. Flächenaufteilung bei gemischter Nutzung: Wenn ein Objekt teils vermietet, teils selbst genutzt wird, rechnet Excel mir anhand der Gesamtwohnfläche (z. B. 173 qm) und der anteiligen Gemeinschaftsflächen exakt die abziehbaren Werbungskosten aus (z. B. exakt 32,08% V+V zu 67,92% Eigennutzung). Direkte Ermittlung von § 35a EStG: Parallel werden aus den Handwerkerrechnungen direkt die Lohnanteile für die Steuerermäßigung herausgefiltert und umgelegte von nicht umgelegten Kosten (z. B. laut Verwalterabrechnung) getrennt. Diese mathematischen und steuerlichen Verknüpfungen leistet kein Standard-Erfassungsformular der Welt. Wenn ich diese mühsam in Excel errechneten Endergebnisse (AfA-Jahresbeträge, Zinsanteile, Netto-Mieteinnahmen) künftig nicht mehr automatisiert per Exportplatzhalter in die ESt-Erklärung verlinken kann, bedeutet das: eine enorme effizienzverlust und hohe Fehleranfälligkeit (durch manuelle Dantenüberträge). Mein Fazit und Appell an DATEV: Digitalisierung darf kein Selbstzweck sein, bei dem bewährte, hocheffiziente Schnittstellen zwischen lokaler Tabellenkalkulation und Steuerprogramm geopfert werden. Wir brauchen in den künftigen Cloud-Anwendungen keine starren „Fragemasken“, sondern offene, intelligente Schnittstellen, die mathematische Ergebnisse aus Excel (oder dessen Cloud-Äquivalenten) medienbruchfrei einspeisen können. Ansonsten verliert DATEV für mich in diesem Segment jeglichen Nutzwert, und man kann die Daten direkt bei Elster eintippen. Wie lösen die Kollegen hier im Forum diese hochkomplexen V+V-Fälle oder schnellen EÜRs, ohne in manueller Tipparbeit zu versinken?
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