@c_kleineboymann schrieb: Ich beneide Sie um Ihren Optimismus; leider kann ich ihn nicht teilen. 1.) Welche anderen Unternehmen haben sich denn gegen den SQL entschieden? Ich kenne viele kleine Player am Markt, alle anderen relevanten nutzten nie den MS SQL oder schwenken einfach von diesem auf einen anderen SQL um. Genau mein Humor... ich habe mal Gemini gefragt und stimmt, es sich noch nieee jemand gegen SQL entschieden... Hier sind die prominentesten Unternehmen, die sich für kritische Systeme gegen SQL entschieden haben, und die Hintergründe dazu: 1. Amazon (Der Auslöser der Revolution) Amazon ist wohl das wichtigste Beispiel. In den frühen 2000ern hatte Amazon massive Probleme mit seiner Oracle-Datenbank-Infrastruktur, besonders während des Weihnachtsgeschäfts (Black Friday). Das Problem: Klassische SQL-Datenbanken priorisieren Konsistenz (Daten sind immer sofort überall korrekt). Amazon fand heraus, dass für ihren Warenkorb Verfügbarkeit wichtiger ist. Es ist schlimmer, wenn ein Kunde nichts in den Warenkorb legen kann (Serverfehler), als wenn der Warenkorb für wenige Millisekunden "falsch" angezeigt wird. Die Entscheidung: Amazon entwickelte intern Dynamo (das Papier dazu erschien 2007). Dies war der Startschuss für die moderne NoSQL-Welle. Später wurde daraus das Produkt Amazon DynamoDB, das heute weite Teile von Amazon.com betreibt. 2. Netflix (Der radikale Wechsel) Netflix vollzog 2008 eine der radikalsten Migrationen, nachdem ein schwerer Datenbankfehler in ihrem eigenen Rechenzentrum den Dienst für Tage lahmgelegt hatte. Die Entscheidung: Sie entschieden sich für Apache Cassandra (eine NoSQL-Datenbank, ursprünglich von Facebook entwickelt). Der Grund: Netflix benötigte eine Datenbank, die global verteilt ist. Wenn ein Server in den USA ausfällt, sollen die Daten aus Europa nahtlos übernehmen. SQL-Datenbanken (wie Oracle, das sie vorher nutzten) waren damals schlecht darin, Daten über mehrere Kontinente hinweg synchron und schnell zu halten. Nuance: Interessanterweise migriert Netflix aktuell für bestimmte Dienste wieder zurück zu modernen SQL-Lösungen (wie CockroachDB oder Amazon Aurora), da diese mittlerweile die Skalierungsprobleme von damals gelöst haben. 3. Facebook / Meta (Die Erfinder) Facebook hatte das Problem, dass die Inbox-Suche (Nachrichten) mit dem rasanten Nutzerwachstum nicht mehr performant über MySQL abgebildet werden konnte. Die Entscheidung: Sie entwickelten Apache Cassandra und nutzen später für andere Bereiche HBase. Der Clou: Facebook hat SQL nie ganz verlassen. Sie nutzen für ihren "Social Graph" (wer kennt wen) immer noch MySQL, aber in einer stark modifizierten Version (oft mit einer Engine namens MyRocks). Sie nutzen SQL also eher als simplen "Key-Value-Store" und verzichten auf komplexe SQL-Funktionen wie JOINs. 4. Uber (Der Zick-Zack-Kurs) Uber ist ein berühmtes Beispiel für einen Technologie-Wechsel, der viel diskutiert wurde. Die Entscheidung: Uber startete mit einer klassischen Architektur (PostgreSQL). Als sie massiv wuchsen, stießen sie auf Probleme mit der Art und Weise, wie Postgres Daten schreibt (Write Amplification). Sie migrierten daraufhin zu einer eigenentwickelten Lösung namens Schemaless, die technisch auf MySQL basiert, es aber wie eine NoSQL-Datenbank nutzt (keine Relationen, keine Transaktionen über Shards hinweg). Der Grund: Sie brauchten extreme Schreibgeschwindigkeit für die Millionen von GPS-Positionen der Taxis. 5. LinkedIn LinkedIn hatte spezielle Anforderungen an das Speichern von komplexen Beziehungen ("Wer kennt wen über drei Ecken?"). Die Entscheidung: Sie entwickelten Voldemort (einen verteilten Key-Value-Store) und später Espresso (eine dokumentenorientierte NoSQL-Datenbank). SQL war zu starr, um die massiven, sich ständig ändernden Nutzerprofile und Feeds performant auszuliefern. 2. Und damit endet dann meine Antwort, denn ich werfe nichts durcheinander, es ist aber auch nicht mein Job, Ihnen die Welt zu erklären. Ich habe geschrieben, dass es möglich sein wird, das zu tun. Dass das einen Berg von Indivualentwicklung bedeutet, die sich für eine normale Kanzlei nicht lohnt, steht dabei außer Frage. Bei entsprechender Größe kann ich mir aber eben auch individuell etwas bauen lassen.
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