Ob eine Entscheidung richtig gewesen ist, wird man ohnehin nie erfahren, weil man den zurückgelassenen Pfad eben nicht bis zum Ende geht. 😉 Sicherheit … ist eine Illusion. Wenn man sich anschaut, wie schnell selbst große Unternehmen ihre Zelte abbrechen und aufbauen, Sparten verkaufen, von anderen Unternehmen übernommen werden, insolvent werden etc., kann sich ein Sicherheitsgefühl schnell als Trugschluss herausstellen. Hinzu kommt die Geschwindigkeit des technischen Fortschritts, die durch KI, Quantencomputer, Satellitentechnik etc. nochmal deutlich zunehmen dürfte. Kürzlich war in einem Podcast eine Forschermeinung zu hören, dass in den kommenden 10 Jahren mit einer mehr als 50%igen Wahrscheinlichkeit schätzungsweise 80% der verwaltenden Tätigkeiten wegfallen werden. Der Beruf des Buchhalters wurde in diesem Zusammenhang explizit erwähnt. Kompetenz / Verständnis Wenn man sich die Entwicklungen und Stellenanzeigen im spezialisierten Softwarebereich anschaut, sieht man deutlich, dass die Reise zu durchgängig automatisierten Prozessen hingeht. Bis ein Automat die Arbeiten vollständig autark durchführt, werden halt noch Leute für Vermittlung, Transfer, Aufbereitung und die Hereingabe von Daten benötigt. In der logischen Konsequenz macht es Sinn, digitale Informationen so zu erstellen und zu übermitteln, dass diese von allen anderen - hoffentlich legitimierten - Stellen automatisch gelesen und verarbeitet werden können (ZUGFeRD, XRechnung, EDI…). Briefträger, Scanexperten, DUO-Einrichter, Aufbereiter etc. braucht irgendwann niemand mehr, um Daten in eine bestimmte Auswertungsform zu bringen. Und wenn alles wunderbar funktioniert und die „Grundsätze ordnungsgemäßer (Buchhaltungs-)Automatismen“ eine Festschreibung in Millisekunden vorschreiben, kann man den staatlichen Institutionen auch einen jederzeitigen ungefragten Zugriff zur Abholung und Prüfung der jeweils benötigten Daten einräumen. [Schade, dass das nicht demnächst passiert und wir uns deshalb noch mit so etwas wie dem *Toll*, äähm Tool „Kommunikation Finanzverwaltung“ beschäftigen müssen.] Ein Verständnis für Soll und Haben (wenn man am Ball bleibt, macht es irgendwann „Klick“) ist zwar noch en vogue, wird jedoch nicht mehr wirklich verlangt. Aufgrund des Personalmangels wird so ziemlich jeder interessierte Quereinsteiger eingestellt, der einen Rechner einschalten kann. Für fehlende Kompetenzen in den Bereichen Kommunikation, Teamfähigkeit und Organisation gibt es mittlerweile so viele „tolle“ Lösungen, dass diese auch irgendwann in Vergessenheit geraten. Buchungsentscheidungen werden zunehmend maschinell getroffen. Wer will sich da noch mit T-Konten befassen? Nicht wenige Menschen mit nichtdeutscher Muttersprache und ohne ein mitgebrachtes technisches Verständnis sind in der Lage, sich in einen DATEV-geprägten Berufsalltag einzuleben (was beeindruckend ist). Ich vermute, dass sich für Sie weniger die Frage des Könnens, sondern mehr die des Wollens stellen dürfte. DATEV-Software / Umfang Die DATEV-Software ist, wie Sie selbst erkannt haben, kompliziert, überladen und unübersichtlich. [Sicherlich wird man bald auch Schuhgröße und Augenfarbe natürlicher Personen direkt im Startbereich sichtbar machen können; selbstverständlich mit umfassenden Filterfunktionen und speziellen Menüeinträgen z.B. eine Erweiterung der erweiterten Listeneinstellung als zusätzliche Ergänzung der einfachen Listeneinstellung…] Das ist im kommerziellen Softwarebereich gängige Praxis, um Abhängigkeit, Supportnachfrage und somit Umsatz zu generieren (Software zum Selbstzweck / siehe auch Microsoft). Während DATEV-Experten und ITler im Regelfall den Luxus haben, sich auf bestimmte Programm- / Themenbereiche zu spezialisieren, bekommen Anwender einen großen Teil des Gesamtpakets vorgesetzt. Leider sind die Programme selten anwenderfreundlich gestaltet, weshalb nicht wenig Zeit für die Befassung aufzuwenden ist. Hinzu kommen organisatorische und technische Hürden, die sogar so weit gehen, dass Programme / Programmteile nicht sichtbar sind, weil entsprechenden Zugriffsrechte fehlen. Für jemanden, der sich gern eingehend mit Systemen befasst, dürfte das ein wesentliches KO-Kriterium sein. Schlussbemerkung Wenn Sie noch einige Berufsjahre vor sich haben, werden Sie in so gut wie keiner Branche daran vorbeikommen, permanent zu lernen, sich auf schnell wechselnde Bedingungen einzustellen und die Informationsflut bedarfsgerecht zu filtern. Wenn Sie masochistisch veranlagt sind, sollten Sie sich als DATEV-Anwender probieren und möglichst viele Schulungen besuchen, um das zu verstehen, was nicht einfach gehalten ist. Die wenigen Rechtsvorschriften/-änderungen und fachspezifischen Vorgaben machen Sie im Vorbeigehen. *Ironie* 😉 Den gesuchten Spaß und auch eine berufliche Zukunft werden Sie wohl eher auf der Seite finden, die Hard-/ Software entwickelt und pflegt. Vielleicht finden Sie sogar etwas Passendes in den DATEV-Stellenanzeigen.
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