Bezugnehmend auf den Antrag und die Erläuterung halte ich die Argumentation weiterhin für nicht überzeugend. Gerade die Formulierung, Vorstandspositionen sollten künftig stärker „nach fachlicher Qualifikation – auch ohne Berufsträgerexamen“ besetzt werden können, erscheint mir problematisch: Ein DATEV-Vorstand ist kein operatives Fachgremium, sondern das strategische Führungsorgan einer Genossenschaft des steuerberatenden Berufsstands. Auf dieser Ebene geht es primär um Führung, Priorisierung, strategisches Verständnis und die Fähigkeit, die tatsächliche Lebenswirklichkeit von Kanzleien einordnen zu können. Die entscheidende Stärke von Berufsträgern liegt dabei aus meiner Sicht gerade nicht im „Fachwissen“ einzelner steuerlicher Detailfragen, sondern in der praktischen Erfahrung: Führung von Kanzleien, Personalprobleme, wirtschaftlicher Druck, Digitalisierung unter realen Bedingungen, Mandantenanforderungen, Haftungs- und Organisationsverantwortung. Genau diese Perspektive ist für die strategische Ausrichtung der DATEV zentral. Selbstverständlich benötigt DATEV hochqualifizierte Spezialisten in Bereichen wie IT, Plattformarchitektur, KI, Cybersecurity oder Produktentwicklung. Aber diese Expertise muss nicht zwingend auf Vorstandsebene angesiedelt sein. Dafür gibt es grundsätzlich Fachbereiche, Geschäftsleitungen, Bereichsvorstände, Projektorganisationen und externe Beratung - wie auch immer die konkreten Bezeichnungen lauten mögen. Der Vorstand selbst sollte aus meiner Sicht vor allem die Aufgabe haben, das Unternehmen strategisch im Sinne der Mitglieder zu führen. Gerade deshalb halte ich eine starke berufsständische Verankerung dort nicht für nebensächlich, sondern für essenziell. Die eigentliche Sorge vieler Mitglieder scheint mir daher weniger die Einbindung externer Kompetenz zu sein, sondern vielmehr die Frage, ob sich DATEV zunehmend von der Perspektive der Kanzleien entfernt und stärker wie ein klassischer Konzern organisiert und geführt wird. Und genau dieses Gefühl dürfte durch die vorgeschlagene Änderung eher verstärkt als entkräftet werden.
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