Sehr geehrtes DATEV-Team, sehr geehrter Herr Saule, liebe Kolleginnen und Kollegen im Community-Forum, auch wir bedauern die bevorstehende Einstellung von DATEV Unternehmensplanung zum 31.12.2025 sehr. Für unserer Kanzleipraxis stellt diese Entscheidung eine erhebliche Herausforderung dar. Hauptkritikpunkt am Nachfolger Analyse und Planung ist und bleibt der Mangel an Schnittstellen. Unsere Kritikpunkte: Die gute alte Unternehmensplanung überzeugt durch nützliche und funktionierende Schnittstellen zu anderen Systemen und ist in der täglichen Beratungspraxis bewährt – gerade bei komplexen Mandaten bieten wir damit echten Mehrwert. Die angekündigte Nachfolge-Lösung DATEV Analyse und Planung erscheint uns derzeit noch nicht vollumfänglich praxis-tauglich: Es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass nicht alle Funktionen 1:1 übernommen werden. Dies ist grundsätzlich nicht schlimm, wenn wenigstens die wichtigsten 80 bis 90 % der Funktionen übernommen werden. Dies ist hier nicht der Fall. Auch entnehme ich den Ausführungen der DATEV, dass es beispielsweise die Schnittstelle zu Lohn und zu Anlag erst dann geben wird, wenn Anlag und Lohn in der Cloud sind. Auf den Lohn in der Cloud warten wir bereits seit mindestens 2021. Bei Kanzlei-Rechnungswesen glaube (und hoffe ich innständig auf Grund meiner bisherigen Erfahrung mit der Portfoliorückentwicklung), dass es noch einige Zeit dauern wird, bis Rechnungswesen in die Cloud wandert. Daher gehe ich davon aus, dass Analyse und Planung in den nächsten fünf Jahren nicht als Profi-Tool nutzbar sein wird. Die Bilanzplanung fehlt noch immer. Der Export in ein Format, welches man in bestehende Dokumente, Businesspläne etc. einbauen kann, wie beispielsweise Word oder Excel fehlt. Das ist eine wichtige Funktion. Unser Feedback aus dem Pilotprozess wurde nach unserer Wahrnehmung nicht im Ansatz in das neue Produkt integriert – dies erzeugt Unsicherheit hinsichtlich der Umstellungsqualität und bestätig einmal mehr die jahrelange Kritik, DATEV höre nicht auf seine Anwender und Kunden; zumindest nicht, wenn die Kundenanforderungen nicht ins Konzept des MVP passt. Auch hatten wir bei der Benutzerbefragung das Gefühl, dass es der DATEV darum ging, ein möglichst minimalistisches Planungstool zu entwerfen. Das neue Tool ist unübersichtlich. Die stärke der guten alten BWA ist, dass alle Unternehmensdaten auf einer (damals noch DIN-A4) Seite auf einen Blick erkennbar sind. In Analyse und Planung sieht man Umsatz und Gewinn auch auf einem großen Bildschirm NIE gleichzeitig. Man muss immer hoch und runterscrollen. Stattdessen wird wertvoller Bildschirmplatz mit nutzlosen Grafiken verschwendet, die man nicht ausblenden kann. Die Grafiken wären am Ende der Auswertung oder im Ausgabe-Menü sinnvoller untergebracht. Das Zoomen im Browser hilft nicht wirklich, da die Schrift zu fett ist, um bei einer kleinen Zoomstufe gut lesbar zu sein. Kursive Schriften sind am Bildschirm – insbesondere bei einer Sehbehinderung – schlecht zu lesen. Die Performance des neuen Tools ist sehr träge. Die vorgesehene detailliertere Personalkostenplanung hilft nicht, wenn man die Personalkosten manuell erfassen muss und nicht mit den bestehenden Personalkostenelementen aus dem Lohn „spielen“ kann. Bei breiten Tabellen ist eine Zeilenschattierung besonders benutzerfreundlich. Auch dies ist keine neue Erkenntnis und kann man sich bei der guten alten BWA abschauen. Warum muss man, um einen Wert zu löschen, vorher einen Doppelklick auf den Wert machen? Das ist weder bei der Unternehmensplanung, noch bei Excel der Fall. Warum gibt es zwei Symbole für die Funktion „Ausgeben“? Das ist einmal ein Drucker und einmal ein „Teilen“-Button. Eine vollständige Verlagerung der Planung in die Cloud zu diesem Zeitpunkt sehen wir als zu früh an – insbesondere solange die Schnittstellen- und Datenübernahmeseite noch nicht auf dem Niveau des bisherigen Tools sind. Oder in DATEV-Sprech: „Die Entwicklung des hierfür markterforderlichen Reifegrads hinsichtlich Umfang und Qualität benötigt Zeit.“ Unser Wunsch und Appell an DATEV: Hören Sie bitte noch einmal mehr auf Ihre Kunden und deren Bedürfnisse. Bitte überlegen Sie, ob die Abschaltung von Unternehmensplanung nicht verschoben oder eine parallele Laufzeit eingerichtet werden kann – bis die Nachfolge-Lösung tatsächlich den Anforderungen von Profi-Beratungskanzleien genügt. Unsere Erfahrung und unser Kundenwunsch ist klar: Wir benötigen Werkzeuge für Profis – keine 60-%-Lösungen. Ihre Einschätzung, wonach „nur wenige Mitglieder“ das bisherige Produkt nutzen würden, teilen wir und wohl 100 % der an dieser Diskussion beteiligten Mitglieder nicht. Die Anbindung an MyDATEV-Portal ist wichtig und richtig. Für uns als Kanzlei haben die datenintensiven Schnittstellen zu Lohn sowie Anlag eine deutlich höhere Priorität. Falls der DATEV die Ressourcen für die jährliche Anpassung der Zuordnungstabllen für die 2026er Kontenrahmen nicht zur Verfügung stehen, bitte ich Sie uns mitzuteilen, um wie viel Aufwand in Stunden es sich hierbei handelt. Vielleicht können wir hier unsere Mithilfe anbieten. Zur Community: Liebe Kolleginnen und Kollegen, welche Alternativen bereitet Ihr vor, falls Unternehmensplanung tatsächlich eingestellt wird? Bitte teilt Eure Erfahrungen, Tools und Bewertungen – ein offener Austausch wäre enorm hilfreich. Wir danken fürs Mitlesen und hoffen auf konstruktiven Dialog mit der DATEV. Mit kollegialem Gruß Claus Schwarz
... Mehr anzeigen