Hallo Herr Heim, stimmt, die Steuererklärungen erstellen in meiner Kanzlei die Mitarbeiter. Aber was für einen Unterschied sollte das machen bei der Frage nach der Digitalisierung? Sammelwütige Mandanten haben wir schon immer gehabt, auch zu Papierzeiten. Ob nun Papier oder digitale Belege gesammelt werden? Das macht keinen Unterschied. Meine Erfahrung: Wer im realen Leben ein Schlamper ist, ist das auch im digitalen Leben. Sammelwütige Realos sind auch sammelwütige Digitalos. Das gilt natürlich auch umgekehrt. Ob die Begeisterung der jüngeren Mandanten anhält ist nicht die maßgebliche Frage. Die Frage ist für mich: Wie lange wird es noch dauern, bis Papier beim Finanzamt komplett abgelehnt wird? Wolle nSie dan nerst anfangen sich in eine fortgeschrittene Software einzuarbeiten? Sie schreiben, dass Sie sofort umstellen, wenn Sie durch die Digitalisierung nur einen Mandanten verlieren, vermutlich dann ber bereits in Rente sein werden. Erlauben Sie mir die (nicht ganz ernst gemeinte) Gegenfrage ob Sie noch mehr als 3 Monate bis zur Rente haben? Woher wissen Sie, dass Sie nicht bereits mehr als einen Mandanten verloren haben, weil potentielle Neumandanten aufgrund Ihrer Einstellung einen Besuch in Ihrer Kanzlei bereits ausgeschlossen haben? Und das bezieht sich jetzt nicht nur auf Meine Steuern. Man kann von der Digitalsierung und deren Umsetzung in den Datev-Programmen halten was man will, vielmehr verhält es sich mit der Digitalisierung wie mit dem Klimawandel: Es ist für eine Diskussion, ob die Digitaisierung kommt oder nicht zu spät, wir sind bereits mitten drin. Abwarten, was in Zukunft passieren wird, ist für mich nicht die Lösung.Wir haben 2005 mit der ersten Buchhaltung in Unternehmen online begonnen. Ja wir haben oft genug geflucht, aber seit Jahren läuft es wunderbar. Neue Fibu-Mandate ohne digitale Beleg sind für uns heute nur noch Ausnahmefälle. Hätten wir hier jedesmal auf die nächste Version vun DUO gewartet, wären wir längst digital verhungert. Vermutlich sehen Sie das anders aber ich kann mir vorstellen, dass meine Enkel eines Tages Geräte wie Drucker, Kopierer oder Scanner nur noch aus dem Museum kennen: Als ich ein Teenager war, gab es Schallplatten und Music-Cassetten. Es folgten die CD und Speicherkarten. Heute wird Musik fas ausschließlich per Streaming oder Download gehört. Zeige ich heute meinen erwachsenen Kindern einen Schallplattenspieler, schütteln die staunend den Kopf. Die Tatsache, dass insbesondere ältere Mandanten nach wie vor gern mit Papier hantieren oder der Kanzleichef Angst davor hat, dass seine jüngeren Mitarbeiter sich mit der EDV besser auskennen, als er selbst, wird die Digitalisierung nicht aufhalten. Im Gegenteil: Es ist für uns zwingend, die Digitalsiierung von Anfang an zu begleiten und in Foren wie dieser Community Vorteile und Nachteile und Programmverbesserungen zu diskutieren und anzustoßen. Ganz abgesehen davon sehe ich tatsächlich auch enorme Produktivitätsfortschritte durch die Digitalisierung. Selbst wenn sammelwütige Mandanten und Tonnen von Belege hochladen sollten. Die Software wird nicht perfekt sein und viele Kolleginnen und Kollegen werden dringend Verbesserungen anmahnen, aber wie gesagt, dafür ist diese Community ja da. Aber ich stimme P.G. zu, dass letztendlich jeder selbst entscheiden muss welchen Weg er gehen will.
... Mehr anzeigen