Lieber Herr Eberhardt, ich glaube gar nicht, dass wir beide eine so grundsätzlich unterschiedliche Sicht auf die DATEV und die Notwendigkeiten haben. Nach meiner Überzeugung hat DATEV bereits heute gute Produkte - die allerdings zunehmend komplexer und fehleranfälliger werden und aus einer Zeit stammen, bei der viele Einzellösungen (ohne den großen verbindenden Bogen) uns die Arbeit enorm erleichtert haben. Heute steht aber in den Kanzleien nicht mehr nur die "Einzellösung" im Vordergrund - auch Dank des umfassenden Mandantenvertrauens, das wir uns (mit Hilfe der DATEV) erarbeitet haben. Auch ich glaube (wie Sie), dass eine völlig neue Software-Generation gedacht, geplant und entwickelt werden sollte, um die im Laufe der Jahre gewachsene Komplexität los zu werden und für unsere (und der DATEV) Zukunft gewappnet zu sein. Ob allerdings in diesem Zusammenhang die "Politik der kleinen Schritte" hilft erscheint mir zweifelhaft. Das Spagat zwischen "bisherige Software auf Stand halten" und "Kompletter Neuentwicklung" ist m.E. ein nur unbefriedigend zu lösendes Dilemma. Entweder geht´s auf der einen oder der anderen Seite "zu langsam" (oder in zu kleinen Schritten). Dazu kommt, dass wir Genossen es der DATEV auch nicht wirklich leicht machen. Die Komplexität (und damit die heutige Fehleranfälligkeit) haben wir schon zu einem erheblichen Teil mitzuverantworten. Genauso die vielen Solitärlösungen (beinahe hätte ich "Bauchladen" gesagt). Genossenschaft bedeutet eben nicht, dass jeder seine "lila F5-Taste" bekommt, sondern, dass die Gesamtheit der Genossen gefördert und unterstützt wird. Das funktioniert aber nur gut, wenn man (wir Genossen) bereit sind, uns in gewissem Umfang Standards zu unterwerfen - auch im Sinne der Qualitätssicherung. Das ist leider in den vergangenen Jahren ein wenig zu kurz gekommen - den Schuh müssen wir uns gemeinsam mit der DATEV anziehen (lassen). Diese Standards zu definieren, das wäre Aufgabe und Fähigkeit des Berufsstandes. Gerade eine Zeit - die wie jetzt der digitale Umbruch - zwingt, ganze Geschäftsmodelle und die zugehörigen Workflows neu zu denken, bietet dafür eine ungeahnte Chance. Diese zu nutzen und umzusetzen gilt es. Ob das "On-Prämise" oder auf "Plattform" geschieht, ist am Ende eine technische Frage. Mir scheint die von uns geforderte Leistungsfähigkeit einer künftigen Softwaregeneration schneller auf der Plattform-Technologie erreichbar. Aber als Dogma sollte man das nicht betrachten. Letztlich wär´ mir´s auch egal, ob auf "Plattform" oder "On-Prämise" - Hauptsache ist, dass wir eine zuverlässige Software haben, die es erlaubt, unser Mandantengeschäft effizient, zielgerichtet und ohne Hindernisse (Medienbrüche/Workarounds) zu erledigen - also ein im Hintergrund funktionierendes Werkzeug, das uns die Zeit schafft, unser Hauptgeschäft = Mandantennutzen durch gute Beratungsleistung zu erledigen. Ich glaube also, dass Sie und ich (und wahrscheinlich die ganz große Mehrheit hier) da ziemlich "auf einer Schiene" sind - evtl. mit einem kleinen Fragezeichen bei der dafür einzusetzenden Technik.
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