Ich muss da leider mal intervenieren und kann aus meiner Erfahrung berichten, dass die Situation in vielen Kanzleien selbst versursacht ist, weil man sich jahrelang gegen die Einführung digitaler Prozesse gesträubt hat und den Mandanten z.T. Märchen über die böse Digitalisierung erzählt hat, damit diese ihre Buchführung und Steuerunterlagen auch ja schön weiter in Papier abgeben und wieder holen dürfen. Ich hatte letztes Jahr ein Mandat übernommen, das schon vor Jahren in der Digitalisierung weit war und der Steuerberater forderte, auch aus (vorgeschobenen) "rechtlichen" Gründen, alles in Papier an, was zur Folge hatte, dass alle Kontoauszüge aus dem Posteingang der Bank, alle Rechnungen als PDF und alles Weitere, dass digital zugestellt wurde, ausgedruckt werden musste, um den Ordner eine Woche später, nachdem man ihn gebracht hatte, wieder abholen dürfen. Das Mandat ist heute überglücklich und hat eine Menge kostbare Zeit gewonnen und ich mache das heute zu dem Satz, den der Kollege seit zehn Jahren berechnet hat; da ist dennoch richtig gutes Geld verdient. Win-win. Weitere Gespräche bestätigten mir dieses Credo des Selbschutzes einiger Kanzleien durch Diskreditierung digitaler Arbeitsprozesse. ALLE laufenden Buchführungsmandate sind ausschließlich digital und mit Engagement bekommt man jeden in die digitale Welt, weshalb ich Ihre Ausführungen @Gelöschter Nutzer in Zweifel führe. Ich habe hier alle Sorten von Handwerkern, Händlern und Freiberuflern und grade mal drei Mandate, die auf Grund Ihrer Branche digital vorbelastet sind und es funktioniert überall, wenn man sich die Mühe macht, den Mandanten zu betreuen und an die Hand zu nehmen, aber nicht ins kalte Wasser zu werfen und sich nachher beklagen wollen, dass dies für die Mandanten alles zu kompliziert sei. Das ist es eben nicht ! Dafür muss man sich in der Kanzlei allerdings auch selbst die entsprechenden Kenntnisse aneignen und als Vorbild dienen. Mein aktuelles UO-Projekt ist ein Metzger, der seine Papiere seit Jahren von jemandem vorbereiten ließ, der nicht mehr verfügbar ist. Der hatte sich NIE um seine Buchführung kümmern müssen. Über Jahrzehnte hinweg. Heute, als exakt am heutigen Tag, schaue ich mir die Buchführung an weiß, dass es geschafft ist und man auch hier gutes Geld verdient; natürlich habe ich auch zu einem moderaten Stundensatz Schulungen oder Fernsupport abgerechnet. Nicht immer, sondern habe auch was auf meine Kappe genommen, denn das sind meine Gewinne von morgen. Eine Buchführung baue ich übrigens persönlich auf, bevor ich sie an eine Mitarbeiterin übertrage (ASB, Lerndateien, Konteneinrichtung usw. und vor allem Kommunikation Mandant). Ich kann diese Argumente nicht nachvollziehen und auch wenn ich mir hier im Kollegenkreis vielleicht keine Freunde mache, aber wer DATEV hier eine tragende Schuld am Misserfolg seiner Kanzlei gibt, macht Vieles grundsätzlich falsch. Selbstverständlich ist die Preissteigerung nicht erfreulich, aber daran den Gedeih und Verderb seiner Kanzlei festzumachen, ist schon äußerst fragwürdig. Ich empfinde die ein oder andere Preiserhöhung, auch die Staffelerhöhung über die nächsten Jahre sogar als unverschämt. Nichtsdestotrotz werde ich im Monatsende immer noch eine gedeckten Tisch haben. Wir reden hier im Kleinstmandatsbereich der monatlichen FiBu von 100 € - 200 € / Monat und wer das nicht schultern kann, hat ebenso andere Probleme, als die Kosten für den Steuerberater, der wiederum DATEV-Kosten schultern muss. Bitte lasst mal die Kirche im Dorf. Diese Krokodilstränen hier zur vergießen ist ja furchtbar zu lesen... und da fällt mir ein Zitat ein: "Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit." Sie können sich jetzt alle gerne an mir abarbeiten, aber wenn Sie als Kanzlei im eigenen Branchenvergleich nicht mindesten über dem Durchschnitt liegen, machen Sie was grundlegend falsche, den der Durchschnitt wird zwangsläufig durch "Problemkanzleien" nach unten gedrückt.
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