Heute hat mich eine langjährige Mandantin angerufen. Mein erstes eigenes Mandat in der Selbständigkeit.
Wir sind ein paar schöne Jahre zusammen gegangen.
Sie hat mir erzählt, dass ich schon vor vielen Jahren mit der Digitalisierung weiter war, als der Steuerberater eines Verwandten heute. Sie hat wohl live einiges mitbekommen. Dabei hat sie mich gefragt, wie es jetzt so laufen würde.
Ich habe nachgedacht und dann ganz vorsichtig formuliert:
Wissen Sie, früher habe ich neben meiner Datev-Software für das Tagesgeschäft keinen ELSTER-Account gebraucht. Man hatte den vielleicht als Backup für Notfälle. Man hat ihn aber nie für die Arbeit gebraucht. Jetzt brauche ich ELSTER für Steuern.
Als wir damals zusammen in die Selbständigkeit gestartet sind musste man den Fragebogen steuerliche Erfassung noch in Papierform abgeben.
Da habe ich ihr erzählt, dass wir das heute elektronisch übermitteln müssen. Und dass Datev die Übermittlung zwar für einen Mandanten, aber nicht für einen Adressaten kann.
Antwort der Mandantin aus der Pistole geschossen: "Das ist ein Paradebeispiel für schlechte Softwareentwicklung".
Ich war erst einmal sprachlos. Ich hatte das Beispiel Fragebogen gewählt, weil ich nicht 5 Stunden über meinen Frust mit den Steuerprogrammen und Datev im Allgemeinen reden wollte.
Nach dem einfachen Satz "Das ist ein Paradebeispiel für schlechte Softwareentwicklung" konnte und musste ich nichts mehr hinzufügen.
Ich sehe es aus meinem täglichen Frust einfach nicht mehr so klar. Ich bin durch das Tagesgeschäft mit Datev einfach aufgerieben.
Die außenstehende Mandantin hat es sofort erkannt und klar benannt.
Ich hätte da mal eine Frage: "wo ist der Bus?"
Keine Ahnung, wer hinter diesem Pseudonym steckt - aber ausschließlich schlechte Stimmung und Negatives zu verbreiten ist schon arg daneben. Da ist ja nicht mal ein Fünkchen von Willen zu erkennen, zu irgendwelchen Verbesserungen beizutragen.
Ein Rat von Herzen: wechseln sie den Softwareanbieter vollständig. Vielleicht verhilft das zum Glück.
Und ja: hätte ich mir sicher sparen können! Aber nein: wollte ich nicht!
Die „Geschichte“ die Sie hier zum Besten geben, ist das typische Beispiel, das auch jedem Berater immer wieder das Leben schwer macht und den letzten Nerv raubt:
Ein Mandant kommt zum Termin mit dem Satz „Ein Unternehmerkumpel hat von seinem Anwaltskumpel beim letzten Unternehmerstammtisch gehört, daß der jetzt irre Steuern spart durch *hier halbseidenes, halbverstandes, übersimplifiziertes Konstrukt einsetzen, daß garantiert nicht zum besprochenen Sachverhalt passt*
Genau so ein Fall ist dieses Beispiel auch.
-> Small Talk
-> Kleine Unannehmlichkeit erwähnt
-> Person, die sich mit dem Sachverhalt gar nicht auskennt stimmt höflich zu, weil Sie die Details nicht kennt und den Gesprächsfluss trotzdem positiv unterstützen will.
Fazit: Ist doch ganz klar: Die DATEV geht den Bach runter, weil die Mandantin im Small Talk zugestimmt hat.
Knallhart recherchierte Fakten von unabhängiger Stelle im Peer-Review bestätigt. Nice!
Dafür gibt es übrigend diesen Thread:
Diese Geschichte von eher anekdotischer Evidenz hätte vermutlich keinen eigenen Beitrag erfordert.
... dachte schon, der Thread sei ähnlich spannend wie
"Eine kurze Geschichte der Zeit (im Datev-Universum)" von Stephen Hawking
... falsch gedacht ... schade ...