5 Antworten Neueste Antwort am 01.11.2017 15:49 von d.k

    Benzinkosten für privat genutzte Firmenwagen

    abuchheister Neuling

      Hallo Datev,

       

      es geht um die selbst getragenen Treibstoff-Kosten für die private Fahrten durch den Arbeitnehmer.

       

      Beispiel. Der Arbeitgeber hat seinem Arbeitnehmer seit 2,5 Jahren einen Firmenwagen (Bruttolistenpreis 40.000 EUR) überlassen, den der Arbeitnehmer auch privat nutzen darf. Der geldwerte Vorteil aus der Überlassung des Firmenwagens wird nach der 1-%-Methode abgerechnet (inkl. Fahrten W-A). In der Nutzungsüberlassungsvereinbarung ist geregelt, dass der Arbeitnehmer die privat veranlassten Treibstoffkosten selber zu tragen hat. Diese Kosten betragen mtl. 150,00€ - 200,00€. Für den Monat Oktober 2017 wurden dem Arbeitgeber Belege für die privat veranlassten Treibstoffkosten in Höhe von 185,00€ eingereicht.

      Ist hier die Höhe des geldwerten Vorteils aus der Privatnutzung wie folgt zu ermitteln (lt. BFH Urteil vom 30.11.2016)?

      • Private Nutzung nach der 1-%-Methode: 40.000 € x 1 % = 400,00 €
      • abzüglich privat veranlassten Treibstoffkosten 185,00€
      • Geldwerter Vorteil, der als Arbeitslohn zu versteuern ist 215,00 €.

       

      Laut Dok.-Nr.: 5300265, Firmenwagen zur Privaten Nutzung, Punkt 9 e) Beispiel A mindern die private Treibstoffkosten den gelwerten Vorteil nicht:

      "Der Arbeitnehmer betankt den auch zur privaten Nutzung überlassenen
      Firmenwagen im Mai 2017 und begleicht den Betrag mit der Tankkarte des
      Arbeitgebers. Es ist arbeitsrechtlich vereinbart, dass der Arbeitnehmer ein
      Entgelt in Höhe der privat veranlassten Benzinkosten zu zahlen hat. Der
      Arbeitgeber ermittelt den auf die Privatfahrten entfallenden Betrag anhand der
      gefahrenen Gesamtkilometer und zieht dem Arbeitnehmer den entsprechenden Betrag
      im Rahmen der nächsten Gehaltsabrechnung vom Nettogehalt ab.

      Die Weiterbelastung der Benzinkosten durch den Arbeitgeber an den
      Arbeitnehmer (= nachträgliche Kostenübernahme des Arbeitnehmers) führt
      nicht zu einer Minderung des geldwerten Vorteils aus der
      Firmenwagengestellung"

       

      Bitte um Mithilfe, wann die private Treibstoffkosten den geldwerten Vorteil mindern!

       

      Herzliche Grüße

        Alle Antworten
        • 1. Re: Benzinkosten für privat genutzte Firmenwagen
          schmulz Einsteiger

          Hallo,

           

          tatsächlich getragen Benzinkosten mindern nach neuester Rechtsprechung den Geldwerten Vorteil. Dieser kann jedoch lediglich auf 0 EUR gekürzt werden. Wer aufgrund des Urlaubes höhere Benzinkosten als der Geldwerte Vorteil gem. 1% Methode hat, hat hierdurch kein Anspruch auf einen "negative Geldwerten Vorteil".

           

          Vielen Dank an  Daniel Kühn für den Hinweis!

          Geändert am 01.11.17 um 15:38 Uhr
          • 2. Re: Benzinkosten für privat genutzte Firmenwagen
            Mike Hecker Erfahrener

            Hallo Frau Buchheister!

             

            Ja, so wie es in dem Info-Dokument steht ist es auch richtig. Das Beispiel ist direkt aus dem BMF-Schreiben IV C 5 - S-2334 vom 19.04.2013 Rz. 6 entnommen (Dokument 5234465).

             

            Da es sich bei den übernommenen Kraftstoffkosten nicht um ein (pauschales oder nutzungsabhängiges) Nutzungsentgelt handelt wird der geldwerte Vorteil nicht gemindert.

            Zitat aus dem o.g. BMF-Schreiben:

            "Rz. 3 Die vollständige oder teilweise Übernahme einzelner Kraftfahrzeugkosten (z. B. Treibstoffkosten, Versicherungsbeiträge, Wagenwäsche) durch den Arbeitnehmer ist kein an der tatsächlichen Nutzung bemessenes Nutzungsentgelt i. S. d. Rdnr. 2 (vgl. R 8.1 Absatz 9 Nummer 1 Satz 5 LStR 2011, siehe auch BFH-Urteil vom 18.
            Oktober 2007, BStBl 2008 II Seite 198 ). Dies gilt auch für einzelne Kraftfahrzeugkosten, die zunächst vom Arbeitgeber verauslagt und anschließend dem Arbeitnehmer weiterbelastet werden oder, wenn der Arbeitnehmer zunächst
            pauschale Abschlagszahlungen leistet, die zu einem späteren Zeitpunkt nach den tatsächlich entstandenen Kraftfahrzeugkosten abgerechnet werden. Ein den Nutzungswert minderndes Nutzungsentgelt muss daher arbeitsvertraglich oder aufgrund einer anderen arbeits- oder dienstrechtlichen Rechtsgrundlage für die Gestellung des betrieblichen Kraftfahrzeugs vereinbart worden sein und darf nicht die Weiterbelastung einzelner Kraftfahrzeugkosten zum Gegenstand haben. Wie der Arbeitgeber das pauschale Nutzungsentgelt kalkuliert, ist dagegen unerheblich."

             

            Ggf. sollte die Vereinbarung dahingehend geändert werden, dass eben nicht die reinen Benzinkosten vom Arbeitnehmer getragen werden, sondern ein Kostenanteil pro privat gefahrenem Kilometer.

            Beispiel: 8 Liter/100 km * 1,40 €/Liter = ca. 0,11 €/km

            Zahlt der Arbeitnehmer nun 11 ct. je privatem Kilometer würde er in etwa die Benzinkosten selbst tragen, steuerlich führt das aber zur Minderung des steuerpflichtigen geldwerten Vorteils.

             

            Viele Grüße

             

            Mike Hecker

            Geändert am 01.11.17 um 15:22 Uhr
            • 3. Re: Benzinkosten für privat genutzte Firmenwagen
              d.k Beginner

              Hallo Hr. Buchheister,

               

              das von Ihnen zitierte Beispiel ist die "Ausnahme der Ausnahme". In dem Beispiel verauslagt der Arbeitgeber die privaten Tankrechnungen und rechnet dann nach km-Pauschalen ab.

               

              Der Regelfall ist, dass die privaten Treibstoffkosten den geldwerten Vorteil mindern (wie von Ihnen berechnet).

               

              @ Hr. Schmulz: Ihre Ausführungen sind m. E. nicht korrekt. Jeder privat bezahlte Beleg (Tanken, Parken, Wäsche) mindert jetzt die 1%-Regelung. (siehe selbes Dokument ganz oben: Neu im Oktober | Anrechnung vom Arbeitnehmer getragener Kosten)

               

              Daniel Kühn

              Geändert am 01.11.17 um 15:27 Uhr
              • 4. Re: Benzinkosten für privat genutzte Firmenwagen
                uwelutz Erfahrener

                Hallo in die Runde,

                 

                das BMF-Schreiben aus 2013 ist aufgehoben und durch folgendes Schreiben ersetzt:

                 

                Lohnsteuerliche Behandlung vom Arbeitnehmer selbst getragener Aufwendungen bei der Überlassung eines betrieblichen Kraftfahrzeugs (Dokument 5236402).

                 

                Viele Grüße

                Uwe Lutz

                3 von 3 Personen fanden dies hilfreich
                • 5. Re: Benzinkosten für privat genutzte Firmenwagen
                  d.k Beginner

                  Hr. Lutz hat recht,

                   

                  es gibt letztendlich keine Unterscheidung mehr zwischen Zuzahlungen und Kosten. Alles was der Arbeitnehmer selbst zahlt, kürzt die 1%-Regelung.

                   

                  Das Dokument in LexInform gibt den Sachverhalt nur unübersichtlich wider, da die neue Rechtsprechung nur am Anfang erwähnt wird und nicht in die einzelnen Abschnitte eingearbeitet wurde.

                   

                  Daniel Kühn

                  1 von 1 Personen fanden dies hilfreich